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Legionellen: Gefahr durch fehlende Kontrollen

Legionellen sind im Wasser lauernde stäbchenförmige Bakterien – eine unsichtbare Gefahr. Sie vermehren sich sprunghaft , wenn Wasser bei lauwarmen Temperaturen in den Leitungen steht. Dann wird die Dusche zur Keimschleuder. Über den Wasserdampf eingeatmet gelangen die Erreger in die Lunge, verklumpen und verursachen eine tückische Lungenentzündung mit einem schweren Verlauf.

Offiziell gab es 2012 rund 650 schwere Lungenentzündungen und 31 Todesfälle durch Legionellen. Doch in den meisten Fällen werden Lungenentzündungen gar nicht als Legionellen-Erkrankungen diagnostiziert. Experten rechnen deshalb mit einer hohen Dunkelziffer. Das Umweltbundesamt geht von 30.000 schweren Lungenentzündungen und bis zu 3.000 Toten jährlich aus.

Erkrankungen, die der Gesetzgeber mit einer Änderung der Trinkwasserverordnung 2011 eindämmen wollte. Seitdem müssen nicht nur Betreiber von öffentlich genutzten Gebäuden, wie Krankenhäuser oder Schwimmbäder, ihre Warmwasser-Anlagen auf Legionellen untersuchen lassen, sondern auch Hauseigentümer von größeren Mietshäusern mit einem mehr als 400 Liter fassenden Warmwassertank. Die Vermieter müssen Prüfer beauftragen, um ihr Wasser auf Legionellen testen zu lassen. Bei auffälligen, über einem bestimmten Grenzwert liegenden Befunden,  muss die Warmwasseranlage technisch überholt werden.

Absurde Verordnung verhindert wirksame Legionellen-Kontrollen

Bis Ende 2013 mussten alle Vermieter auffällige Untersuchungsergebnisse bei den Gesundheitsämtern melden. Doch offenbar sind die Daten auch heute noch lückenhaft. Von 72 norddeutschen Landkreisen liefern uns auf Anfrage  nur 44 konkrete Daten: Ein erhöhter Legionellenbefall wurde demnach über 2.600  mal gemeldet. In mindestens 145 privaten Gebäuden war die Gesundheitsgefahr so akut, dass sofort Duschverbote verhängt wurden. Die tatsächlichen Fallzahlen werden noch höher sein, aber keiner kennt sie.

Vermieter, die nichts tun, fallen kaum auf

Die fehlende Organisation bei der Wasserprüfung und der Auswertung  macht auch Roland Suchenwirth vom Landesgesundheitsamt Niedersachsen Sorge. Er koordiniert auf Landesebene die Legionellenkontrolle und muss die Versäumnisse des Gesetzgebers ausbaden. “Wir erfahren nur die Ergebnisse, die ein Vermieter in die Hand nimmt und sagt, oh, der Grenzwert ist überschritten, ich muss das melden,” so Suchenwirth. Es sind Zahlen im luftleeren Raum. Und es wird noch absurder: Denn auch wie viele Trinkwasseranlagen überhaupt überprüft werden müssten, wissen die Behörden nicht, da die Anlagen nicht meldepflichtig sind. Sprich, die Behörden wissen überhaupt nicht, wer der Verordnung eigentlich Folge leisten muss. Die Folge: Vermieter, die nichts tun, fallen kaum auf.

Gleichgewicht zwischen Bürokratieaufwand und Gesundheitsschutz

So bleibt das tatsächliche Ausmaß der Gesundheitsgefahr weiterhin unklar. Das räumt auch das Bundesgesundheitsministerium ein. Eine “repräsentative Auswertung” sei nicht möglich, heißt es auf Anfrage von Panorama 3. Dabei gab es in einer ersten Verordnung strengere Vorschriften wie eine Meldepflicht für Trinkwasseranlagen über 400 Liter und eine Meldepflicht aller Labordaten. Doch die wurden nach nur einem Jahr wieder gestrichen. Es gehe, so das Ministerium, um ein “ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Bürokratieaufwand und Gesundheitsschutz”.

 

Quelle: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Legionellen-Gesundheitsgefahr-durch-mangelnde-Kontrollen,legionellen124.html