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Einblicke in das Zamann Labor

Alireza Zarei: Wie der Lampertheimer ein Start-up gründen möchte – und dabei immer wissensdurstig bleibt

Quelle: http://www.lampertheimer-zeitung.de/lokales/bergstrasse/lampertheim/wasser-wueste-weite-welten_17757765.htm

Von: André Heuwinkel

LAMPERTHEIM – Wer Alireza Zareis Labor betritt, könnte meinen, er befinde sich in einem Mischraum aus Arztpraxis und NASA-Forschungszentrum. Links der Eingangstür blickt der Betrachter auf eine Mondaufnahme: „Clementine Mission 1994“ lautet die Überschrift, rechter Hand befindet sich ein eingerahmtes Plakat, das ebenfalls kosmische Gefühle weckt: SIRA – Seti Investigation and Reserach Association. Das Logo: Eine angedeutete Erdkugel, Sterne und ein geschwungener Bogen, der Erinnerungen an die Ringe des Saturn weckt und die Lampertheimer Zweigstelle eines Schweizer Materialanalyse Zentrums repräsentiert, das kostenfreie Analysen für Finanzschwache Forscher zur Verfügung stellt..

Umrahmt ist das Setting von weißen Tischen, Regalen, Flüssigkeitsbehältern und allerlei Mikroskopen – nein, Sternenstaub wird in der Wilhelmstraße nicht auf seine Bestandteile überprüft, obwohl dem 29-Jährigen wahrscheinlich auch das gelingen dürfte. Im Jahr 2014 hat sich Zarei hier selbstständig gemacht, was er untersucht, wird gemeinhin als Quell allen Lebens bezeichnet: Wasser, genauer genommen Trinkwasser, dessen Qualität gesetzlichen Standards genügen und untersucht werden muss. Legionellen sind die mikroskopisch kleinen Feinde, die aus dem Wasser kommen. Die stäbchenförmigen Bakterien finden in 25 bis 50 Grad Celsius warmem Wasser optimale Bedingungen und können theoretisch durch Einatmen beim Duschen oder auch von Kühltürmen übertragen werden.

 Im Land der Eidgenossen war der Lampertheimer vier Jahre beruflich für Roche als Projektmanager tätig, nachdem er bei der BASF eine Ausbildung zum Chemielaboranten absolviert und für Otto Cosmetic in Groß-Rohrheim gearbeitet hatte. Wer also Seifenverkäufer wie Tyler Durden (Charakter aus „Fight Club“) werden möchte, kann bei Zarei nachfragen, welche Inhalte diese so hat.

Nachhaltigkeit soll im Beruf vorgelebt werden

„Zamann“ heißt das Labor, mit dem sich der Sohn iranischer Eltern selbstständig gemacht hat. „Ich habe eigentlich nach einem deutschen Namen gesucht“, meint Zarei schmunzelnd, und fand heraus, dass die persische Übersetzung „Saman“ heißt, was wiederum „Nachhaltigkeit“ bedeutet. Ein Attribut, das der 29-Jährige geschäftlich leben möchte. Derzeit ist der emsige Qualitätsmanager damit beschäftigt, mit der Zamann-Group ein Start-up zu starten, das Pharma-Unternehmen in ihrem Qualitätsmanagement unterstützen soll, wie er es schon persönlich als Freiberufler seit mehreren Jahren in Firmen wie Böhringer Ingelheim oder Fresenius tut und dort globale Qualitässysteme mit aufbaut und betreut. Die Räumlichkeiten hierfür seien schon so gut wie belegt, sieben Mitarbeiter lässt Zarei bereits seit November 2016 schulen. In diesem Jahr soll auch das Marketing für weitere Start-up forciert werden. Bis es soweit ist, heißt es aber weiterhin Kontakte knüpfen, Pläne schmieden und die Nährböden in den Petrischalen beobachten, die dem Außenstehenden eher Rätsel aufgeben. Mit der geänderten Trinkwasserverordnung müssen alle Anlagen zur gewerblichen Wasserabgabe alle drei Jahre auf Legionellen untersucht werden, die eine bestimmtes Volumen überschreiten – allerdings werde die Verordnung von Lampertheimer Gewerbetreibenden stiefmütterlich behandelt, moniert der Jung-Unternehmer.

Mindestens ebenso geheimnisumwoben ist eines der größten Hobbys des Lampertheimers: Viermal war er zwischen 2009 und 2012 in Gizeh, um das letzte der Sieben Weltwunder von innen zu erkunden. „Ich war im Darm der Pyramide“, unkt er. Zarei hat mit 21 Jahren ein Buch darüber veröffentlicht: „Die verletzte Pyramide – wie Neugier Geschichte zerstört.“ Es behandelt auch bekannte Theorien, die den Bau der antiken Megabauwerke erklären und stellt die gängigen Thesen gegenüber und weißt auf Widersprüche und Schwachstellen hin. Darüber hinaus stöbert der 29-Jährige gerne in astronomischen Fachmagazinen oder im Harvard Business Manager, die auch auf dem Empfangstisch des Labors für Besucher bereitliegen. Sollte die Etablierung seiner Start-Ups gelingen, findet er vielleicht Zeit für weitere Buchprojekt, eventuell über Linguistik. Drei Silbermünzen aus dem Sassanidenreich, die ebenfalls im Labor zu sehen sind, geben vielleicht Aufschluss darüber, dass das nächste Buch ein anderes Thema haben wird.